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Ein Schlag ins Gesicht.

  • 12. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Treppenhaus. Eine Schlange von Menschen. Ich stelle mich an und warte. Ich warte. Und warte. Und warte. Und ich frage mich, warum ich nicht langsam mal einen Platz weiter nach vorne gerutscht bin. Ich stehe doch schon so lange in der Schlange. Hinter mir stehen schon weitere Menschen. Ich gehe an der Schlange vorbei, um in die Praxis schauen zu können. Was ist denn da los? Nichts tut sich. Ein junges Paar steht an der Anmeldung. Doch dort sitzt niemand, der sich ihrer annehmen könnte. Sie drücken die Klingel, die auf dem Tresen liegt. Nichts tut sich. Andere in der Schlange rufen sogar schon in der Praxis an. Denn diese ist geöffnet und dann sollte doch auch jemand da sein bei dem man einen Termin vereinbaren kann oder was man als Patient sonst so für Anliegen hat. Aber nein. Nichts. Es fühlt sich schon ein bisschen so an, als würde man verspottet werden. Dabei benötigt man Hilfe. Ich stehe vierzig Minuten in der Schlange und rutsche nicht einen Platz nach vorne vor. Die ersten gehen. Ich auch. Aber ich schaue mir das Szenario nochmal kurz an und denke: Das ist ja schon fast ein bisschen metaphorisch. Denn ungefähr so fühle ich mich schon lange. Ich stehe da und nichts verändert sich. Ich komme nicht vorwärts. Und kann nichts tun. Und es verlässt mich der Mut und das bisschen Kraft was da ist, schwindet. Schon seit mehreren Monaten suche ich nach einem Therapieplatz. Auf meiner Liste stehen achtzehn Therapeuten. Hinter einigen Namen stehen schon Absagen. Hinter den anderen stehen die Daten an denen ich versucht habe telefonisch Kontakt aufzunehmen oder wann ich eine Email geschrieben habe. Mit Bitte um Rückruf. Mit der Schilderung, dass ich Hilfe brauche. Dass es dringend ist! Doch so oft kommt einfach keine Antwort. Nicht mal eine Absage, einfach nichts. Wie ein Schlag ins Gesicht. Als psychisch kranke Person hat man wenig Kraft. Wenig Hoffnung und wenig Antrieb. Man schafft an manchen Tagen nichts, oder nur das nötigste. Und das kostet so viel Kraft. Man tut was man kann, um einen Therapieplatz zu bekommen aber man bekommt einfach keine Antwort. Da sind mir die Absagen schon lieber. Es wird einem deutlich gemacht, wie aussichtslos die Situation ist. Und man fängt an zu resignieren. Nicht mehr täglich zu suchen. Nicht mehr täglich die Kraft aufzubringen, um sich neue Absagen abzuholen oder auf Anrufbeantworter zu sprechen und eh nie eine Antwort zu bekommen. Und nun sehe ich diese Schlange vor bzw. in der Praxis des neuen Psychiaters hier im Dorf. So viele Menschen die scheinbar Hilfe benötigen und nichts tun können, denn die Aussicht auf einen Termin ist schlecht. Ein Termin bei einem Psychiater zu bekommen dauert mindestens mal acht bis zwölf Wochen. Wenn man denn überhaupt einen Termin vereinbaren kann. Doch wenn man weder telefonisch, noch per Email, noch persönlich in der Praxis die Möglichkeit hat einen Termin zu vereinbaren, dann wird einem einfach nochmal so richtig bewusst gemacht, wie beschissen die Situation ist. Und wie verdammt machtlos man ist. Ein weiteres Mal werde ich die Kraft auf jeden Fall nicht aufbringen und mich in diese Schlange stellen. Denn die Götter in weiß sind einfach unerreichbar. Und die Therapeuten in ziviler Kleidung übrigens auch. Und man kann nur da stehen und warten. Und verzweifeln. Doch es tut sich nichts.

 
 
 

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