Ich packe meinen Koffer.
- 18. Juni
- 2 Min. Lesezeit
… und nehme mit? Na alles man so braucht im Wanderurlaub in den Bergen. Was man im Urlaub gar nicht gebrauchen kann, mich aber immer begleitet, sind meine Monster, die mir immer den Spaß verderben wollen. Deswegen sind Urlaube für mich immer so eine Sache…
An sich natürlich durchweg schön und mein Herz hüpft auch immer ganz doll, wenn ich die Berge sehe. Aber je näher der Urlaub rückt, desto lauter werden auch die Gedanken. Und die kreisen natürlich um Essen, Kalorien, Gewicht und Aktivität…
Frühstücksbuffet? Oh Gott! Ich frühstücke sonst nur schwarzen Kaffee und mag das Gefühl von Essen in meinem Bauch am Morgen gar nicht! Kann es kaum ertragen. Wie soll ich das machen? Wie soll ich das aushalten? Und wie soll ich die ganzen Kalorien dann wieder loswerden? Was, wenn ich mich nicht beherrschen kann und viel zu viel esse? Ich mag Frühstücksbuffet nämlich eigentlich sooooo gerne. Das unbeschwerte Kind in mir liebt frische Brötchen, Rührei, Joghurt, Müsli… alles was es so gibt. Aber die Essstörung diktiert mir schon so lange, dass all das verboten ist. Nur an schwarzen Tagen ok. Sonst nur mit mindestens fünf Stunden wandern mit mindestens 1000hm pro Wanderung. Das diktiert der Antreiber. Verbrennen, verbrennen, verbrennen. Und abends? Jeden Abend ein fünf Gänge Menü. Uff. Mein inneres Kind freut sich. So gutes, leckeres Essen. Die Essstörung bekommt eine Panikattacke. Wir wissen ja gar nicht wie das zubereitet wurde und was da alles drin ist und wieviele Kalorien das dann sind. Hilfe! Aber was, wenn es einfach lecker ist? Genuss? Wär das nicht möglich? Und was, wenn nicht jede Wanderung in Hochleistungssport ausartet? Wär das nicht viel erholsamer? Dann aber nach dem Urlaub wieder absolute Disziplin und alles wieder abtrainieren… uff…
Wieder ein Kampf in meinem Kopf. Auf der einen Seite möchte ich den Urlaub in vollen Zügen genießen und von meinen Monstern nicht eingeschränkt und nicht gestresst werden. Auf der anderen Seite bin ich so sehr gefangen in Verhaltensmustern und Gedanken, dass es für mich unheimlich schwer ist, mich gegen die Monster zu behaupten. Das ist doch bescheuert, oder? Ich bin 35 Jahre alt und werde kontrolliert von irgendwelchen blöden Monstern, die ständig irgendwas von mir wollen oder mir Dinge verbieten wollen.
„Und was machen Sie nun mit den Monstern? Lassen Sie die zu Hause?“, fragt meine Ergotherapeutin bei unserer letzten Sitzung vor dem Urlaub. „Ich werde sie bei meinem letzten Spaziergang mit Floki am Abreisetag im Wald aussetzen, sie an einem Baum festbinden, ihnen den Mund zukleben und einen Zettel da lassen, auf dem steht: Bitte nicht füttern und nicht zurückbringen!“
Mal gucken, ob das klappt….
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