Die halbe 70.
- jpfuetzenreuter2
- 30. Okt.
- 2 Min. Lesezeit
Schon wieder Geburtstag. Dabei kommt es mir so vor, als sei gestern erst mein letzter Geburtstag gewesen. Das Jahr ist wie im Flug vergangen. Einfach vorbeigerauscht. Komisch, denn ich habe mich im letzten Jahr so gefühlt, als sei mein Leben irgendwie stehen geblieben. Als würde ich neben der Spur stehen und zusehen wie alle ihr Leben leben, während ich feststecke in einem Sumpf, in einem dunklen, dichten Nebel. Wie kann das sein? Dass ich mich so elend fühle und für alle anderen das Leben einfach weiter geht? Ein ganzes Jahr, einfach weg. Futsch.
An seinem Geburtstag freut man sich über all die Glückwünsche, die Anrufe und die Nachrichten. Feiert mit der Familie und Freunden. Denkt an ein schönes Jahr zurück und freut sich schon auf das nächste. Die meisten Frauen in meinem Alter sind mittlerweile verheiratet und haben ein Kind oder schon mehrere. Haben mit ihrem Mann ein Haus gebaut oder gekauft. Sie kümmern sich um Altersvorsorge, Kita Plätze und Kindererziehung. Ich hingegen versuche zur Zeit bestmöglich meinen Hund zu erziehen, zahle Miete für meine Wohnung, kümmere mich nicht um meine Altersvorsorge und bin nicht mal verheiratet (habe aber den allerbesten Freund!). Achja und ich versuche diese scheiß Depression zu bekämpfen. So ganz nebenbei. Denn mein letztes Lebensjahr wurde von ihr beherrscht und zur Zeit hänge ich wieder so durch, dass mir absolut nicht nach Geburtstag zu Mute ist. Die Depression ist wie der Gast, der sich selbst zur Party eingeladen hat und die Stimmung total runter zieht.
Mir wird an meinem Geburtstag immer bewusst, wie wenig Menschen es in meinem Leben gibt. Wenig Anrufe, wenig Nachrichten, wenig Glückwünsche. Und Geschenke? Was sollte ich mir schon wünschen. Mein größter Wunsch wäre mal wieder mehr als zwei Minuten fröhlich zu sein. Überhaupt mal wieder etwas intensiv fühlen zu können, was nicht Leere, Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit ist. Mal die negativen Gedanken ausknipsen zu können und mal wieder einfach sorglos und glücklich zu sein. Aber der Gast der sich selbst zur Party eingeladen hat, hat nur beschissene Geschenke mitgebracht, ruiniert die Party und hat scheinbar nicht vor zu gehen. Aber hey, it‘s my party and I cry if I want to!
Kommentare