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Es war einmal. Erster Akt.

  • jpfuetzenreuter2
  • 6. Sept.
  • 3 Min. Lesezeit

Es war einmal eine holde Maid von 33 Jahren, die eines morgens mit fürchterlichen Magenschmerzen und allgemeinem Unwohlsein erwachte. Da sie nicht in der Lage war ihrer hauptsächlichen Beschäftigung nachzugehen, meldete sie sich für den Tag krank. Sie ruhte den Tag über ausgiebig und erwachte am Nachmittag mit einem deutlich besseren Gesundheitszustand. Am Abend, getrieben von den inneren Dämonen, die sie so oft antrieben, traf sie eine falsche und folgenschwere Entscheidung. Da es ihr wieder besser ging, unterrichtete sie zwei Kurse in einem Studio für körperliche Ertüchtigung. Sie war dumm, wie nicht von Sinnen. Sie hatte nicht nachgedacht.


Es ereilte sie nach den Kursen die Nachricht, dass zwei der Ranghöheren vor Ort gewesen seien und sich erkundigt hätten, wer denn die Kurse unterrichtet hätte. Es schauderte der holden Maid. Sie konnte es nicht fassen. Lag doch auch das Studio für körperliche Ertüchtigung gar nicht im Beritt der Ranghöheren. Sie wusste nicht was zu tun und kontaktierte einen der Ranghöheren fernmündlich. Es wurde ihr mitgeteilt, dass man umgehend eine Strafanzeige gegen sie fertigen würde. Wegen Betruges. Die holde Maid ereilte eine wilde Mischung sämtlicher Gefühle. Ärger über ihr eigenes Verhalten, Wut auf die Ranghöheren, Unverständnis, Angst, Unsicherheit was werden würde, Panik! Und sie fragte sich, warum? Sie wusste nicht was sie zuvor verbrochen hatte, dass man sie in dem Ausmaß strafte. Sei doch in der Vergangenheit nie etwas vorgefallen. Nie ein abmahnendes Gespräch geführt worden. Womit hatte sie dieses Maß an Peinigung verdient?


Am nächsten Tag wurden ihr acht der von ihr in der Vergangenheit zuvor zu viel geleisteten Arbeitsstunden abgezogen, um den Schaden wieder gut zu machen. Unfair, dachte sie. Denn nun sah es so aus, als sei sie nicht krank gewesen und das war am Morgen des vorherigen Tages mit Sicherheit der Fall gewesen.


Die holde Maid litt unter den Ereignissen. Eine Zeit lang suchte sie den Fehler ausschließlich bei sich selbst und fühlte sich deswegen schrecklich. Was hatte sie nur getan? Das erlebte hatte sie sehr mitgenommen. Sie wusste nicht, wie es nun weitergehen würde, ob sie ihre Arbeitsstelle behalten könne und was mit ihr geschehen würde. Man gab ihr in Gesprächen zu verstehen, dass sie selbst schuld sei und dass sie ihren Kollegen etwas schuldig sei. Diese hätten aufgrund ihres Fehlens mehr arbeiten müssen. Deswegen würde man sie nun für eine Stelle vorsehen, die niemand gerne bekleiden wollte. Bestrafung, Bestrafung, Bestrafung. Aber keinerlei Vertrauen mehr. Nicht von Seiten der Ranghöheren aber auch nicht von Seiten der holden Maid in Richtung der Ranghöheren. Dabei war die Weste der Ranghöheren doch auch nicht Schnee weiß. Und es wurden doch häufig viel gravierendere Vergehen begangen, die gar nicht geahndet wurden. Aber das spielte keine Rolle.


Sie traute sich ein paar Stellen an. Schilderte ihr Leid. Und sie stellte fest, dass jeder dem sie ihre Geschichte erzählte, nicht sie als die große Übeltäterin wahrnahm, sondern die Ranghöheren. Niemand konnte das böswillige Verhalten verstehen. „Du musst da weg! Solche Ranghöheren werden niemals mehr hinter dir stehen, falls bei der Arbeit mal irgendwas passiert!“, so riet man ihr.


Und wie endet nun die Geschichte? Die holde Maid wechselte den Bereich ihrer Arbeit. Die Strafanzeige wurde eingestellt und die Genehmigung für das Unterrichten der Kurse wurde ihr wieder erteilt. Doch was geblieben ist, ist die Enttäuschung. Und auch der Schock und das Leid was sie zunächst erleiden musste, hat Spuren hinterlassen. Spuren auf ihrer Seele, die doch schon mit so viel zu kämpfen hatte und heute noch hat.

 
 
 

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1 Kommentar


Wolfi
08. Sept.

Liebe holde Maid, lege es ab im Kästchen ERFAHRUNG. Versuche die Emotion raus zu bekommen, Vorfälle wie diese sind eine Überlegung wert, aber sie sind keinen Kummer wert. Alles Gute und

Gruß nach Tirol 🤩

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