Es war einmal. Zweiter Akt.
- jpfuetzenreuter2
- 17. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
Es war einmal eine holde Maid von 34 Jahren, die arbeitete seit gut einem Jahr in einer neuen Abteilung. Eines schönen Tages wurde die holde Maid von den zwei Ranghöchsten ihrer Abteilung zu einer Art Konversation geladen. Die holde Maid dachte sich nichts Böses und erwartete kein Unheil. Doch dieses brach über sie herein. Der Ranghöchste wirkte auf die holde Maid erzürnt, gerade zu böse. Er sprach in einem lauten, derben Tonfall und bezichtigte die holde Maid aufgrund von Krankheit zu oft der Arbeit fern geblieben zu sein. Er verkündete wie viele Tage die holde Maid genau gefehlt habe. Die holde Maid wusste nicht, wie ihr geschah. Sie war ganz alleine, dem Zorn des Ranghöchsten ausgeliefert. Ohne Zeugen für das was geschah. Ja, sie hatte ein schlimmes Jahr gehabt und war vermehrt von Krankheit heimgesucht worden. Aber nicht mehr als andere. Ob mit denen auch so eine Konversation geführt würde?
Seit ihrer Kindheit schon, litt die holde Maid an starken, Donner ähnlichen Kopfschmerzen. Immer nur einzelne Tage aber genau das erzürnte den Ranghöchsten am meisten. Er, weder Medicus noch studiert in der Wissenschaft der sportlichen Ertüchtigung, wollte der holden Maid weiß machen, dass ihre Schmerzen durch ihre sportliche Ertüchtigung verursacht würden. Grober Unfug, denn diese Art von Training beugte sogar Kopfschmerzen vor. Das hatten schon viele Studien bewiesen. Sie habe mehrfach gefehlt, wenn sie am vorherigen Tag Sport gemacht habe. Das wüssten die Ranghöheren. Der holden Maid fehlten immer mehr die Worte aufgrund der Übergriffigkeit der Aussagen des Ranghöchsten. Natürlich sei das der Fall gewesen. Aber da sie fast täglich Sport trieb, war das natürlich sehr wahrscheinlich, hatte aber nichts mit dem Sport zu tun. Und es ging auch niemanden etwas an, was sie in ihrer Freizeit tat. Der Ranghöchste erwartete von einer Person, die derart viel Training absolvierte noch mehr Leistung bei der Arbeit! Achso. Und von denen, die gar keinen Sport trieben und deswegen andere Erkrankungen bekamen? Das wäre dann in Ordnung? So frage sich die holde Maid, traute sich aber aufgrund der Situation kaum noch etwas zu äußern.
Im vergangenen Sommer, wurde die holde Maid Opfer eines Verkehrsunfalls, als sie mit ihrem Radl unterwegs gewesen war. Sie erlitt Verletzungen an der Halswirbelsäule, sowie ein Schleudertrauma und Prellungen. Vier Wochen musste sie der Arbeit fern bleiben, da sie den Kopf lange nicht hatte bewegen können. Zu lang, äußerte nun der Ranghöchste. Die holde Maid hatte ihm nicht das genaue Ausmaß ihrer Verletzungen dargelegt. Sie hätte schon früher zurückkehren können und im Büro arbeiten können. Die holde Maid äußerte, dass sie auch nicht dazu verpflichtet gewesen sei, Informationen über ihren Verletzungsgrad zu übermitteln. Aber das interessierte den Ranghöchsten nicht.
Die holde Maid erkundigte sich bei den Ranghöheren, welche Schlussfolgerung sie nun aus diesem Gespräch ziehen sollte. Solle sie nun mit jeder Art von Krankheit zur Arbeit kommen? Nein, wenn sie krank sei, dann sei sie krank. Aber die Fehlzeiten müssten weniger werden! Ok, dachte sich die holde Maid. Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als ab sofort immer zur Arbeit zu gehen. Und so kam es. Zweimal schleppte sie sich mit schlimmen Kopfschmerzen zur Arbeit und musste sich aufgrund der Schmerzen auf dem stillen Örtchen sogar übergeben. Als es der holden Maid in den darauffolgenden Monaten psychisch immer schlechter ging, schleppte sie sich trotzdem jeden Tag zur Arbeit. Denn die Fehlzeiten sollten ja weniger werden. Sie kam auch nach Nächten ohne Schlaf und mit vielen Tränen. Sie kam in einem Zustand, in dem sie absolut nicht mehr arbeitsfähig gewesen war. Denn ihre Psyche wurde in der Zeit immer kränker. Oft schloss sie die Tür ihres Büros und weinte. Aber diese geschlossene Tür hatten ihr die Ranghöheren auch vorgeworfen. Sie sei unsozial und wenig kommunikativ. Das sei so nicht erwünscht. Gut, dachte sich die holde Maid, wenn ihr wüsstet. Wenn ihr wüsstet wie es mir geht und warum meine Tür so oft zu ist.
Die holde Maid traute sich einigen Stellen an und stellte fest, dass nicht sie die Übeltäterin gewesen war, sondern die Ranghöheren. Denn das, was sie der holden Maid zu verstehen gegeben hatten und die Art wie sie es getan hatten, war nicht in Ordnung gewesen.
Heute weiß die holde Maid das. Heute weiß die holde Maid, dass sie die Konversation hätte umgehend beenden sollen, als sie mit einem derartigen Maß an Übergriffigkeit konfrontiert wurde. Heute weiß die holde Maid, dass sie sich eine weitere Person als Zeugin hätte dazu holen sollen. Aber das Erlebte, besonders diese Unfairness, beschäftigte sie noch lange und hinterließ Spuren. Spuren in der Seele der holden Maid, die eh schon mit so viel zu kämpfen hatte, was nichts mit ihrer Arbeit zu tun hatte, sondern mit viel wichtigerem.
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