Grauer Schmier.
- 17. Jan.
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Kennt ihr das, wenn ihr etwas zu lang nicht oben auf den Küchenschränken geputzt habt? Wenn sich dort aufgrund von Koch- und Bratvorgängen so ein dezent klebriger Schmier bildet, auf dem sich dann der Staub niederlässt? Und was ergibt das dann? Eine graue Schicht Schmier, die, je nachdem wie lange dort nicht mehr geputzt wurde, mehr oder weniger dick und grau ist. Es ist echt schwer diesen Schmier wieder weg zu bekommen. Er klebt, hält sich quasi am Küchenschrank fest. Man bekommt ihn zum Teil weg, so dass die Schicht nicht mehr so dick ist. Aber ihn komplett zu entfernen ist aufwendig und klappt manchmal nur mit der Chemie Keule.
Wenn ich mir diese graue Schicht Schmier auf meinen Küchenschränken so anschaue, erinnert sie mich irgendwie an mein aktuelles Leben. An meine Gefühlswelt. An das, wie ich mich zur Zeit mal wieder fühle. Es fühlt sich so an, als wär mein Leben der Küchenschrank. Bedeckt von dem grauen Schmutz. Als hätte ich den grauen Schmier vor den Augen und könnte die Welt deswegen nur so wahrnehmen, wie ich es tue. Grau, monoton, dumpf, trostlos, freudlos… Manche tragen die rosarote Brille, ich hab grauen Schmier vor den Augen und kein Brillenputztuch vermag ihn zu entfernen.
Nun könnten ganz kluge Menschen sagen: „Ja also wir haben Winter. Da ist es oft düster und grau. Also ganz normal, dass du dich so fühlst. Das geht vielen so.“ Das es tatsächlich vielen so oder so ähnlich gehen mag wie mir, das glaube ich sofort. Denn ich weiß, wie viele Menschen von Depressionen betroffen sind. Aber Menschen, die davon nicht betroffen sind, haben einfach keine Ahnung. Und sollten sich darüber freuen. Ich fühle mich so, als würde ich in meinem Leben rumstehen aber nicht mehr mitmachen. Um mich herum läufts, bei mir läuft nichts mehr.
Gedanken werden wieder laut. Wozu eigentlich noch? Es ist doch aussichtslos. Mein Leben macht mir absolut keinen Spaß mehr. Und ich bin unfähig es zu ändern. Wie gelähmt. Ich bin zwar da aber auch nicht so richtig. Und wozu eigentlich noch? Floki. Das Fellkind. Und Joshi. Beide würden es nicht verstehen, wenn Frauchen nicht mehr da wäre. Da bekomme ich schon Schuldgefühle und Pipi in den Augen wenn ich daran denke. Die armen! Aber ich wäre dann alle meine Sorgen einfach los. Ich kann immer mehr nachvollziehen, dass Menschen diesen Weg gehen. Weil es einfach so scheisse anstrengend ist mit dieser Krankheit zu leben. Und ich hab gerade mal seit gut einem Jahr das Vergnügen. Ich denke zur Zeit oft, dass meine Situation mir aussichtslos erscheint. Die Hoffnung darauf, mal eine passende Therapeutin zu finden, schwindet. Denn es wird einem so oft klar gemacht, wie schwer das ist. Wie utopisch. Es verändert sich also nichts. Also bleibe ich einfach weiter unter dem Schmier kleben, der nie ab geht? Puh.
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