Happy birthday?
- jpfuetzenreuter2
- 23. Okt.
- 2 Min. Lesezeit
„In genau einer Woche hast du Geburtstag!“, sagt meine Mutter zu mir, während wir im strömenden Regen im Park stehen und darauf warten, dass Floki endlich Kacki macht. Ich erwidere, dass ich das wohl wisse. Ob ich das nicht feiern wolle. Ich gehe ungefähr eine viertel Sekunde in mich und antworte ihr, dass ich das nicht wolle. Meine Mutter guckt mich fragend an. Ich könne mir das ja noch überlegen…
Juhu, Floki hat Kacki gemacht. Und es hat die perfekte Konsistenz. Das sind Dinge, die mir zur Zeit Freude bereiten. Zumindest kurzzeitig.
Geburtstag feiern. Meine Mutter meint damit ein gemütliches Zusammenkommen mit ihr, meiner Schwester, ihrem Freund, sowie meinen Freund. Richtig dicke Party also. In den letzten vier Jahren habe ich an meinem Geburtstag immer ein drei Gänge Menü für meine Familie zubereitet. Und dafür ewig eingekauft und eine Menükarte gedruckt und dekoriert und dann den ganzen Tag in der Küche gestanden. Und ich hatte Freude daran. Wenn ich jetzt daran denke, bekomme ich sofort Beklemmungen und bin davon überzeugt, dass ich das niemals schaffen könnte. „Wir können ja was mitbringen, dann musst du nichts vorbereiten“. Super lieb gemeint, ich weiß. Aber ich traue mich zur Zeit nicht auch nur irgendwas fest zuzusagen. Ich fühle mich sofort unter Druck gesetzt und maßlos überfordert. Ich möchte nichts verabreden und dann vielleicht einen absolut schwarzen Tag haben und alles absagen müssen. Nein. Zu oft passiert, zu oft bereut. Nein. Nicht so weit im Voraus. Eine Woche.
Und überhaupt, was sollte ich denn dann erzählen wenn wir so zusammensitzen würden? Mein Leben ist seit fast einem Jahr von der Depression bestimmt. Und wie seit mittlerweile einundzwanzig Jahren auch von meiner Essstörung. Seit einem Jahr passiert nicht viel in meinem Leben. Nichts, wovon ich erzählen könnte. Und davon zu erzählen, wie oft ich zur Zeit so weine und wieviele Benzos ich so nehme und wie die Therapien so laufen? Nä. Keine so coolen Themen. Klar, ich könnte von meinem Fellkind erzählen. Aber das wäre es dann auch. Und ich käme mir irgendwie komisch vor, denn mir ist zur Zeit so oft einfach so viel mehr danach mich zu verkriechen als mich gemeinsam an den Tisch zu setzen. Und dazu kommt noch, dass ich Gefühl habe mich seit Einzug der Depression auch gar nicht mehr für irgendwas interessieren zu können, was mir jemand anderes erzählt. Konversation ist aktuell einfach nicht so mein Ding. Irgendwie ist mir dieses Jahr so gar nicht nach Geburtstag feiern.
Aber naja, eine Woche bleibt mir ja noch…
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