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Happy Pills.

  • jpfuetzenreuter2
  • 19. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Psychopharmaka. Pillen, die dich zum Zombie machen, dein Wesen komplett verändern. Gruselig. Sowas würde ich niemals nehmen. So war bis vor nicht allzu langer Zeit meine Vorstellung und Einstellung zum Thema Antidepressiva. Medikamente, die irgendwas unkontrollierbares in meinem Körper auslösen, worüber ich dann nicht selbst die Kontrolle habe. Auf gar keinen Fall! Vorallem, da Kontrolle bei mir ja eh so ein Thema ist. Ich muss mein Essen kontrollieren, meinen Sport, meinen Körper. Da nehme ich ja nicht freiwillig etwas ein, was dann für mich unkontrollierbar etwas in mir bewirkt und verändert.


Und dann saß ich da. Im Februar 2025. Der Psychiaterin gegenüber, die mir erklärte, dass es in meinem Zustand ohne Medikamente nicht funktionieren würde. Ich erklärte ihr meine Bedenken. Dass ich unglaubliche Angst davor hätte, durch diese Art der Medikamente zuzunehmen. Das hatte ich nämlich gehört. Und Google hätte mir da auch zugestimmt. Und Google weiß bekanntlich alles. Von Antidepressiva nimmt man zu. Und allein schon nur die geringste Wahrscheinlichkeit einer Gewichtszunahme war für mich ein Grund die Einnahme konsequent abzulehnen. Dazu kam die Angst nicht kontrollieren zu können, was in meinem Körper passiert. Die Psychiaterin hatte Verständnis und erklärte mir, dass es mittlerweile modernere Medikamente gäbe, bei denen keine Gewichtszunahme zu befürchten sei. Sie erklärte mir ausführlich wie das Medikament, was sie mir verschrieb, in meinem Körper wirken würde und gab mir ein Rezept für Bupropion 150 mg. Ich nahm es mit nach Hause, legte es auf meine Kommode im Flur und dann lag es da. Dieses Rezept lag eine Woche auf meiner Kommode. Unangetastet. Ich konnte mich einfach nicht durchringen. So groß war die Angst.


In dieser Woche ging es mir aber erneut sehr schlecht. Es häuften sich Gedanken, wie: „Wenn ich jetzt über die Straße gehen würde und vom Auto überfahren werden würde und dann sterbe… naja, dann wär das halt so. Dann wär mein Leid wenigstens vorbei.“ Achtung! Bitte nicht falsch verstehen. Ich hatte nie vor mich umzubringen und habe es auch weiterhin nicht vor. Aber wenn man so sehr leidet und auch nicht so richtig Hoffnung auf Besserung verspürt und eigentlich an nichts mehr Freude hat, dann hängt man nicht mehr sooooo sehr an seinem Leben. Aber zu dem Thema wird es mal einen gesonderten Eintrag geben.


Da es mir so schlecht ging, fing ich an, die Einnahme des Medikamentes doch in Erwägung zu ziehen. Ich recherchierte ausführlich zu allen erdenklichen Nebenwirkungen. Ich recherchierte dazu, wie wahrscheinlich eine Gewichtszunahme wäre und erneut zu der Wirkungsweise. Zu meiner Freude las ich, dass in der Liste der Nebenwirkung Worte wie Appetitverlust, Gewichtsabnahme, erhöhter Puls, standen. Meine Essstörung feierte sofort eine Party. Ok, dachte ich. Ich werde es versuchen. Ich begann das Medikament zu nehmen. Morgens nach dem Aufstehen eine Tablette. Da das Medikament aufputschend wirkt, ist es wichtig es morgens zu nehmen. Ich verspürte erstmal keine Wirkung. Aber als Nebenwirkung stellte ich Schwindel fest. Ich fühlte mich manchmal als sei ich besoffen, ohne besoffen zu sein. Interessant, dachte ich. Ich musste an ein YouTube Video von Torsten Sträter denken, in dem er über seine Erfahrungen mit Antidepressiva spricht. Er spricht auch über die Nebenwirkungen und, natürlich nur als Witz gemeint darüber, dass es möglich sei, dass einem der gestiefelte Kater erscheint und zu einem spricht. DAS  hätte ich lustig gefunden, der Schwindel war Mist! Nach einiger Zeit trat dieser aber nicht mehr auf. Gott sei Dank. In Bezug auf meinen Appetit konnte ich erstmal nichts feststellen aber da mein Essverhalten eh weit von Normal entfernt ist, ist eh alles etwas durcheinander mit Appetit und Hunger und Sättigung. Leider verspürte ich auch keine große Verbesserung in Bezug auf meine Stimmung und mein sonstiges Befinden. Das erzählte ich auch der Psychiaterin beim nächsten Termin. Sie riet mir die Dosis zu erhöhen. Das sei auch üblich bei dem Medikament.


Ok, also dann 300 mg. Und tatsächlich. Nach ein paar Wochen merkte ich, dass die ganz ganz extremen Tiefs etwas weniger wurden. Ich schob das mal auf das Medikament. Beim Sport stellte ich fest, dass meine Herzfrequenz immer etwas höher war, als ich es sonst bei ähnlicher Belastung gewohnt war. Ok, dachte ich. Cool. Höhere Belastung ist gleich höherer Kalorienverbrauch. Juhu, die Essstörung feierte erneut. Auch mein Appetit verschwand quasi. Zumindest tagsüber. Abends kehrte er zurück. Ich vermute, weil abends auch die Wirkung des Medikamentes schwächer wird? Kein Appetit über den ganzen Tag? Geil. Die Essstörung feierte schon wieder.


An sich komme ich mit dem Medikament gut zurecht. Ich habe ein bisschen Vertrauen gefasst. Ich fühle mich manchmal so, als würde ich neben mir stehen. Als sei alles dumpf und keine Gefühle mehr so richtig spürbar. Ich bin mir nicht sicher, ob das an dem Medikament liegt, oder einfach an der Depression an sich. Aber: Die Gruselgeschichten die man so hört, müssen nicht immer wahr sein.

 
 
 

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