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Ich bin’s, die Depression.

  • jpfuetzenreuter2
  • 11. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Hallo Johanna. Wie geht es dir? Oder vielleicht sollte ich dich das gar nicht fragen. Denn ich weiß ja genau wie es dir geht. Ich bin der Grund dafür, dass du dich so fühlst wie du dich fühlst. Wobei sich das ständig ändert und du meistens gar nicht so genau in Worte fassen kannst, was du empfindest. Auch das kommt durch mich. Überhaupt noch etwas richtig intensiv zu empfinde ist durch mich unmöglich geworden. Bestimmt hasst du mich, wünschst dir ich würde von jetzt auf gleich verschwinden und nie wiederkommen. So geht es den meisten in deren Leben ich Einzug halte. Ich erscheine meist sehr plötzlich. Verändere das Leben der Menschen von jetzt auf gleich komplett. Ich ziehe den Stecker und alle Systeme schalten sich erstmal ab. Dann muss ein Reset erfolgen. Und der dauert meist. Wie lange, das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich schicke Nebel in das Leben der Menschen und Dunkelheit, als hätte ich auch den Lichtschalter betätigt und die Sicherung raus gemacht.


Ich habe dir in den vergangenen Jahren schon oft kleine Vorboten geschickt. Kleine Brüder und Schwestern von mir, die in Form von leichteren depressiven Verstimmungen erschienen. Ein bisschen Traurigkeit, ein bisschen Verzweiflung, ein bisschen Sinnlosigkeit, ein bisschen Freudlosigkeit. Du hast gedacht das sei normal. Das hat doch jeder. Und du hast es bei dir ausschließlich auf die Essstörung geschoben. Du warst immer unzufrieden mit dir und bist es heute noch und hast dir damit alle negativen Gefühle erklärt. Du hast die Zeichen nicht erkannt. Achtsamkeit und ein liebevoller Umgang mit dir selbst waren dir schon immer Fremdworte. Du hast dich selbst gequält. Und die Essstörung und der innere Antreiber haben fleißig mitgeholfen. Diese Idioten! Du hast Raubbau an dir selbst betrieben. Und damit musste Schluss sein. Deswegen musste ich zu härteren Bandagen greifen. September bis November 2024 war dann dein Tiefpunkt. Ich habe dir mit aller Kraft klar gemacht, dass es so nicht mehr weitergeht. Ich habe dir die Energie genommen, den Antrieb geraubt, eine tiefe Traurigkeit geschenkt und dazu ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Emotionslosigkeit. Du hast die Freude an allem verloren, warst mit Kleinigkeiten überfordert und absolut nicht mehr belastbar. Feierabend. Stecker raus. Reset. Du fragst dich durch mich, wofür du eigentlich weiter leben sollst. Denkst dir, dass es doch auch ganz praktisch sein könnte, wenn dich ein Auto am Zebrastreifen übersehen würde und die Scheiße einfach vorbei wäre.


Ich weiß, dass ich kein angenehmer Zeitgenosse bin. Dass ich Leben auch zerstören kann und häufig sogar tödlich bin. Aber manchmal bin ich auch eine Art Weckruf. Du hasst mich noch, weil du noch immer so sehr unter mir leidest. Weil du dich fragst, wann dieser Albtraum ein Ende hat und wann du wieder die alte Johanna sein wirst. Aber die Frage ist doch, ob du genau diese Johanna wieder sein möchtest? Oder ob ich dir gezeigt habe, dass es Zeit ist Dinge zu überdenken und eventuell zu verändern. Auch wenn das nicht leicht sein wird, da du ja nicht nur unter mir, sondern auch unter der Essstörung und dem Antreiber leidest. Und die sind schon so viel länger an deiner Seite als ich es bin. Aber mit Hilfe wirst du das hinbekommen. Und so lange drücke ich vielleicht noch ab und zu auf den Reset Knopf oder schmeiße die Sicherung raus…

 
 
 

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