Stammtisch.
- jpfuetzenreuter2
- 26. Okt.
- 3 Min. Lesezeit
„So Leute, schön dass wir es mal wieder zum Stammtisch geschafft haben um die aktuelle Situation zu besprechen.“, eröffnet der gesunde Erwachsene das Gespräch. WAU WAU!, tönt es durch den Raum. „Achja, das ist Floki. Der Welpe der vor fünf Wochen bei Johanna eingezogen ist.“. Alle Monster schauen Floki an, der mit seinem Schwanz wedelt und einfach nur knuffig aussieht. „Ach du Scheiße! Dafür fehlt uns doch jegliche Kraft. Bald führt der Hund dazu, dass Johanna wieder komplett zusammenbricht. Nachts aufstehen und den Hund rausbringen, sich nur um ihn kümmern und die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen… purer Stress!“, meint die Depression. „Aber auch einfach super!“, Ruft das rebellische innere Kind. „Wir wollten schon immer einen eigenen Hund und jetzt haben wir einen! Mega cool! Mega süß! Scheiß doch auf dieses ganze Abwägen ob dafür Kraft da ist oder nicht und ob wir uns das leisten können und und und! Der ist einfach nur mega süß!“. WAU WAU! „Ja, süß! Aber seit er bei Johanna wohnt, hat sie keinerlei Sport mehr gemacht. Der Hund kann noch nicht alleine bleiben und hindert sie an dem für sie so wichtigen Sport! Sie ist fett geworden, ekelhaft. Das wird eine riesen Aufgabe das alles wieder loszuwerden.“, plärrt die Essstörung. „Sport, pah. Als ob dafür Kraft und Energie da wäre. Auch ohne Hund hätte sie dafür keine Kraft. Sie ist wieder so traurig und freudlos. Auf Sport hätte sie eh keinen Bock. Wozu auch? Ist doch alles total sinnlos!.“, äußert die Depression. WAU WAU! „Der Hund durchbricht mal diese ganzen festgefahrenen Strukturen und lenkt den Fokus einfach mal auf was anderes. Auf ihn. Das könnte gut sein.“, erklärt der gesunde Erwachsene. „Aber sie fühlt sich von Tag zu Tag ekelhafter. Zurecht, schaut sie euch an. Fettes Stück!“, die Essstörung wirkt richtig angewidert. „So sieht’s aus! Sie macht ja gar nichts mehr außer sich um den Hund kümmern. Vollkommen unproduktiv. Viel zu wenig Aktivität. Viel zu wenig Bewegung.“, pampt der innere Antreiber. „Ihre Sportuhr, die sonst immer alles aufgezeichnet hat, Herzfrequenz, Kalorien, Distanzen, Geschwindigkeit, liegt nur noch im Regal. Wie konnte es so weit kommen?“, ergänzt er. „Und wenn wir mal ehrlich sind, läuft es doch nicht wirklich perfekt mit dem Hund oder? Er kann seine Kommandos noch nicht perfekt, er kann nicht alleine bleiben, er pinkelt noch ab und zu in die Wohnung. Nicht gut.“, sagt der innere Kritiker und notiert alle Punkte auf seinem Klemmbrett. „Das ist doch normal! Der Hund ist noch ein Baby.“, erwidert der gesunde Erwachsene. „Aber Leute, was wenn Johanna nicht wieder die alte wird? Nicht wieder die sportliche, leistungsfähige Frau, die fest im Leben steht und lustig und lebensfroh ist?“, jammert die Verlustangst. „Johanna ist jetzt wie eine Mutti die nicht mehr auf sich achtet, sondern nur auf den Hund. Das ist nicht sexy. Das ist nicht begehrenswert. Andere Frauen sind viel begehrenswerter. Ihr Partner wird sie bestimmt wegen einer anderen verlassen!“, die Verlustangst fängt an zu weinen. „Hör auf zu heulen, das ist ja jämmerlich!“, keift die Eifersucht. „Johanna ist mittlerweile fest davon überzeugt, dass nichts an ihr mehr attraktiv und liebenswert ist. Das ist euer Verdienst Depression und Essstörung. Und ich finde es super.“, kichert die Eifersucht. WAU WAU! „Also ich plane mich wieder mehr in den Vordergrund zu drängeln!“, sagt der innere Antreiber. „So geht es ja nicht weiter. Einfach nur unproduktiv! Wer ist dabei?“. „Hier, ich!“, kreischt die Essstörung. „Johanna plant in ihren Gedanken schon langsam wieder wie sie es bald wieder in Angriff nehmen will gegen ihr fettes Ich anzukämpfen. Und ich werde sie unterstützen.“ WAU WAU! „Ich denke der Hund wird dafür sorgen, dass zumindest der Sport nicht wieder so übertrieben werden kann.“, äußert der gesunde Erwachsene. Und die Depression gähnt und äußert fast schon verschwörerisch: „Wir werden sehen, wir werden sehen….“.
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