Unschönes.
- jpfuetzenreuter2
- 24. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Ich sitze auf meiner Couch. Meine Beine sind angezogen und ich umklammere meine Knie. Ich presse meine Füße fest aneinander. Ich starre ins Leere, dann geht mein Blick hektisch im Wohnzimmer umher. Ich beiße auf meine Lippen. Und spätestens dann wird mir bewusst, dass es schlimm wird. Mal wieder. Schon wieder.
Meine Atmung wird flacher. Ich werde immer unruhiger, merke wie Panik aufsteigt. Ich weiß nicht was ich tun soll, ich fühle mich machtlos, ohnmächtig, hilflos. So klein und unbedeutend. Ich habe das Gefühl, dass sich in mir immer mehr Druck aufbaut. Mir laufen die Tränen über die Wangen weil ich mit der Situation, mit den Gefühlen, absolut überfordert bin. Weil ich gar nicht beschreiben kann was ich empfinde. Was da los ist. Was zum Teufel ist da los? Ich beginne zu kratzen. Wie automatisch. Ich kratze an meinem linken Unterarm. Mit kleinen, schnellen Bewegungen. Es passiert einfach. Ich merke wie es anfängt weh zu tun. Nicht doll, aber ich kann es spüren. Und es hält mich nicht ab. Im Gegenteil. Dieses Gefühl kann ich wenigstens benennen. Ganz einfach: Schmerz. Ich habe das Gefühl, dass der Druck weniger wird. Ich habe nicht mehr das Gefühl zu implodieren. Mein Arm weißt mittlerweile einige Kratzwunden auf. Weil es immer wieder passiert. Ich weiß, dass der restliche Abend und die Nacht schlimm für mich werden. Dass mich die Unruhe und die Panik gefangen halten werden. Ich verzweifele immer mehr und weine bitterlich. Was ist das für ein Gefühl? Was ist das für ein Zustand in dem ich mich befinde? Ok, Depression. Ist das eine Art Symptom? Keine Ahnung. Ich will das es aufhört! Ich will und ich kann nicht mehr. Hilfe!
Ich gehe in die Küche und nehme aus einer Schublade eine Medikamenten Packung. Bromazepam 6mg. Benzodiazepine. Sedierend, entspannend, angstlösend, herrlich! Ich nehme einen Dreiviertel Tablette. Ich musste dir Dosis schon erhöhen. Von einer halben Tablette zu einer Dreiviertel. Nicht gut, ist mir aber egal. Ich will nur dass es aufhört. Ich kann nicht mehr. Ich nehme die Tablette und lege mich wieder auf die Couch. Nun nur noch durchhalten bis die Tablette wirkt. Das dauert leider meistens eine Stunde. Ich versuche nicht mehr zu kratzen, denn der Arm sieht wieder mal schlimm aus. Ich denke an den Kasten, in dem ich Dinge aufbewahre, mit denen ich mir in solchen Situationen helfen soll. Laut meiner Ergotherapeutin. Intensive Düfte, stachelige Kugeln, Knete. Schön und gut aber wenn es schon so schlimm ist, helfen sie mir nicht mehr. Jetzt hilft nur noch durchhalten.
Die Tablette wirkt. Ich werde ruhiger und leicht schläfrig. Die Unruhe wird weniger, ich habe nicht mehr das Verlangen zu kratzen. Ich kann langsam einschlafen. Und dabei denke ich: Schon das dritte Mal in dieser Woche. Mehr als eine dreiviertel Tablette darf es nicht werden…
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