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Verloren gegangen.

  • jpfuetzenreuter2
  • 10. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Es ist so viel verloren gegangen in den letzten Monaten. Alles was ich dachte zu sein, bin ich nicht mehr. Ich fühle mich wie eine Versagerin. Rundum. Und ich mag mich nicht mehr. Ich kann mich nicht leiden. Ich bin viel von dem geworden was ich nie mochte. Die Depression hat mein Leben nach und nach immer mehr verändert. Sie beeinflusst mein Denken, mein Handeln, mein Fühlen. Dieses blöde Monster!


Seit einigen Wochen hat die Depression es geschafft die Essstörung und den inneren Antreiber etwas ruhiger werden zu lassen. Jetzt könnte man denken, dass sei doch gut. Ich bin mir da nicht sicher, denn es führt dazu, dass ich den Sport in den letzten Wochen so gut wie gar nicht mehr betrieben habe. Mir fehlt jeglicher Antrieb und ich hatte bis heute auch einfach keinerlei Lust dazu. Sport kommt mir wie eine unüberwindbare Herausforderung, eine zusätzliche Belastung vor. Unvorstellbar. Nicht zu schaffen. Die Essstörung und der innere Antreiber sind entsetzt, denn meine Aktivität beschränkte sich in den letzten Wochen (den Urlaub in Bayern mal ausgenommen) auf kleinere Spaziergänge mit meiner Gassi-Hündin. Die lasse ich nicht ausfallen, weil mir der Hund immer gut tut, egal wie schlecht es mir geht. Immer wieder bin ich verzweifelt weil ich es nicht fassen kann so lange keinen Sport gemacht zu haben ohne verletzt zu sein. Das war sonst undenkbar! Ich komme mir so vor als hätte ich einen Großteil meiner Identität verloren. Johanna, die Sportlerin. Marathonläuferin. Laufcup Gewinnerin in Ratingen im Jahr 2024. Und jetzt? Johanna, die Psycho-Tante, die das jetzt auch noch in die Welt hinaus plärrt. Johanna, die antriebslose, faule Kuh. Ekelhaft. Die Essstörung hat es leider auch geschafft mein Essverhalten total auf den Kopf zu stellen. Vor der Depression war es für mich Standard, mich sehr gesund zu ernähren und dann leider immer wieder Ess-Brech-Anfälle zu haben. Aber es gelang mir am nächsten Tag immer sofort wieder auf das Programm „Sport + perfekte Ernährung“ umzuschalten. Schwarz-Weiss eben. Und genau das gelingt mir nicht mehr. Die Fähigkeit ist irgendwie verloren gegangen. Ich esse meist den ganzen Tag gar nichts, da mein Appetit tagsüber futsch ist, seit ich mein Antidepressivum nehme. Ich habe auch das Gefühl, dass ich es einfach leid bin mich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen, da es mein Leben so lange bestimmt hat. Bis die Depression kam und mir ihr phasenweise auch eine starke Gleichgültigkeit. Dann ist mir alles egal. Scheiß drauf! Echte Emotionen kann ich eh nicht mehr empfinden, seit dem es mir so mies geht. Häufig tröste ich mich mit Süßigkeiten oder anderen Sachen auf die ich einfach Lust habe. Meine Ergotherapeutin hat mir vor ein paar Wochen gesagt, dass mein inneres rebellisches Kind wohl zur Zeit jeden Abend Party feiert und alles einfordert was sonst streng verboten war. Keine Ahnung ob das der Grund ist. Aber keinen Antrieb zu haben, sich wenig zu bewegen und dann hauptsächlich Müll zu futtern lässt die Essstörung und den inneren Antreiber natürlich ausrasten. Immer wieder ereilt mich Panik, dass ich nun immer fetter werde und keinerlei Kraft mehr habe dagegen anzukämpfen. Denn für Kämpfe habe ich einfach keine Energie! Also frage ich mich, ob es ausschließlich positiv ist, dass Essstörung und Antreiber schon länger ruhiger sind. Denn das lässt mich immer unzufriedener mit mir werden. Und das ist doch auch keine Lösung oder? Aber ich fühle mich so machtlos. Ich fühle mich wie eine Versagerin und das zieht mich immer wieder noch mehr runter. Denn Dinge die ich sonst so gut konnte, wie exzessiv Sport zu treiben und ganz genau auf meine Ernährung zu achten, kann ich nicht mehr. Seit die Depression in mein Leben trat. Dieses blöde Monster!


Aber heute bin ich wieder laufen gewesen. Zum ersten Mal nach Wochen. Ich hatte tatsächlich Lust dazu und auch ein wenig Antrieb. Ich bin zur Zeit auf Borkum und hier zu laufen habe ich in der Vergangenheit immer genossen. Letztes Jahr bin ich in 10 Tagen 227 km gelaufen. Jeden Tag im Schnitt einen Halbmarathon. Nur so habe ich mich den Rest des Tages im Bikini am Strand wenigstens halbwegs gut gefühlt. An einem Morgen saß ich weinend in der Küche, weil ich nicht laufen wollte, erschöpft war. Aber der Gedanke daran, dann keine zusätzlichen Kalorien mit Sport verbrannt zu haben, hat mich fertig gemacht. Das konnte ich nicht aushalten. Und so lief ich. 20 km an dem Tag.


Dieses Jahr versuche ich es mit einer anderen Herangehensweise. Ich möchte die Umgebung hier nutzen um wieder Spaß an der Bewegung zu finden und mich nicht mehr ganz so doll wie eine Versagerin zu fühlen. Ich möchte versuchen achtsamer zu sein.


Heute bin ich 12 km gelaufen. Sehr langsam. Aber das ist mir tatsächlich egal. Das ich zur Zeit nicht so leistungsfähig bin wie noch vor einem Dreiviertel Jahr ist mir klar und das ist okay. Mir ist bewusst, dass es immer wieder Phasen geben kann, wo der Antrieb wieder futsch ist und ich mich vielleicht wieder nicht zum Laufen motivieren kann. Wo wieder gar nichts geht.


Aber der Lauf heute war schön und das macht mir Mut.

 
 
 

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