Zweifel.
- jpfuetzenreuter2
- 30. Sept.
- 2 Min. Lesezeit
Mal wieder an diesem Punkt angekommen, an dem ich mich frage: bringt das überhaupt was? Gehe ich den richtigen Weg, um letztlich Besserung zu erfahren? Bringt doch alles nichts, ist alles zu anstrengend, ich habe keine Kraft mehr. Ich habe keine Kraft mehr, schon wieder von vorne anzufangen. Also lass ich es lieber und bleibe auf meinem Weg auch wenn ich befürchte, dass er mich nicht ans Ziel bringen wird? Dann muss ich mich wohl damit abfinden, dass es nicht besser wird als es jetzt ist. Oh Gott, bitte nicht. Denn es ist überhaupt nicht gut. Es ist so viel weniger besser als ich gehofft hätte das es sein wird. Komischer Satz. Aber ja, so märchenhaft hatte ich mir das vorgestellt. Endlich die hart erkämpfte Therapie anfangen und nach acht Monaten muss es dann doch viel besser sein. Ok, es gab immer mal Therapiepausen wegen fehlender Genehmigung, wir erinnern uns, aber trotzdem. Es ist einfach nicht wirklich besser. Mein Antidepressivum hat alles etwas entschärft. Die richtig harten, krassen, ultimativen Tiefs etwas in Watte gehüllt. Ich laufe wenigstens nicht mehr nachts weinend durch den Ort weil ich so verzweifelt bin. Ich wache nicht mehr so häufig mit verquollenen Augen auf, weil ich die Nacht null geschlafen und viel geweint habe. Und auch die Gedanken, dass es mir auch egal wär, wenn mich ein Auto am Zebrastreifen übersieht, sind nicht mehr so häufig da. Aber unterm Strich gibt es immernoch viel zu viele Tage, an denen es mir dreckig geht. Es gibt noch so viel Leere, Gleichgültigkeit, Emotionslosigkeit, Unruhe und Freudlosigkeit. Und es gibt noch so wenig Belastbarkeit und so viel Überforderung mit lapidaren Dingen. Sollte ich nicht viel weiter sein? Ich komme mir so vor als würde meine Zeit ablaufen. Als würde, wer auch immer, von mir erwarten langsam gefälligst mal wieder gesund zu sein. Man hat ihr doch eine gewisse Zeit gegeben und nun hat sie doch die Therapie die sie wollte und nun muss das doch funktionieren. Zack zack. Nein. Scheinbar kann ich dem nicht gerecht werden. Bin wohl ein Problemfall. „Wer sagt denn, dass Ihre Zeit für die Heilung abläuft? Wer sagt denn, dass Sie nach einer festgelegten Zeit gefälligst gesund zu sein haben ?“, fragt mich meine wundervolle Ergotherapeutin. Stille. Ja, äh … denk. Niemand? Niemand konkretes. Niemand hat es mir so gesagt. Aber das Gefühl ist trotzdem da und macht mir Angst. Was, wenn ich jetzt doch nochmal von vorne anfangen muss? Weil ich das Gefühl habe, als könne mir meine Psychotherapeutin irgendwie nicht helfen. Ich kann doch nicht nach so vielen Sitzungen erst feststellen, dass ich mit ihr nicht weiter komme. Oder ist das so? Ist es legitim Zweifel zu äußern? Oder hat man gefälligst zufrieden zu sein mit dem was man bekommen hat. Punkt. Zweifel. Zweifel und gleichzeitig so viel Angst davor sie zu äußern. Das Problem anzugehen. Wieder die Kraft aufzubringen Hilfe zu suchen. Da zieht es sich bei mir innerlich zusammen. So sehr scheue ich davor. Aber es hilft nichts. Denn ich will mich endlich deutlich besser fühlen und nicht nur von Gefühlslevel -1000 auf -700 gekommen sein. Scheiß egal, was andere Stellen sagen könnten. Eins habe ich mittlerweile verstanden: meine Heilung und meine psychische Gesundheit sind wichtiger als alles andere.
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